Initiation für junge Männer
14 – 17 Jahre
Wer einen Sohn hat, dem wird immer wieder bewusst werden, wie sehr sich dieser Junge im Laufe seines Heranwachsens verändert. Jungen und junge Männer gehen durch verschiedene Phasen mit unterschiedlichen Stimmungen und verschiedenen Kräften, von denen sie getrieben werden. Das ist einfach natürlich.
Für Eltern taucht nun die Frage auf, wie sie in diesen unterschiedlichen Phasen ihrem Sohn am besten beistehen, ihm wirklich behilflich sein können. Einerseits standen und stehen alle Kulturen vor dieser Herausforderung, andererseits jedoch hat es im Besonderen unsere moderne Welt verpasst, Antworten auf diese Fragen zu formulieren und sie auch entsprechend umzusetzen. Das zeigt sich u. a. bei jungen Männern, die ihre neuen Kräfte nicht konstruktiv einzusetzen wissen und die sich dann in Gewalt, Vandalismus oder rasantem Autofahren ausagieren müssen. So bleiben viele junge Männer mit ihren Fragen alleine und definieren sich nur über ihren materiellen Wohlstand – sofern sie an diesem teilhaben können.
Auch in unserem Kulturkreis gab es früher Männer außerhalb der Familien, die sich um die jungen Männer oder Jünglinge gekümmert haben und sie, u. a. auch rituell, durch die schwere Zeit begleiteten, in der sie zum Mann wurden. Auf den Dörfern waren häufig die Kirchen aktiv, die Schützenvereine oder die Freiwillige Feuerwehr. Man mag von den reliktartigen Initiationsritualen solcher Einrichtungen halten, was man will und die „Trinkfestigkeit“ eines Jungen macht noch nicht den Mann aus. Aber es gab immerhin ritualisierte u. begleitende Abläufe, die sich heute weitestgehend aufgelöst haben. Zudem spielten die Paten und die Onkel väterlicherseits früher eine wesentlich wichtigere Rolle und selbst der Meister im Betrieb hatte eine solche Vorbildfunktion.
Das Initiationsritual soll alt gewachsene Wege der Begleitung für Jünglinge teilweise ersetzen und auch wiederbeleben. Neben dieser Begleitung soll sie die Kraft junger Menschen in zielgerichtete Bahnen lenken helfen und dem jungen Menschen Gelegenheit geben, sich selber neu zu entdecken und zu erkennen. Über das Tun kann der junge Mann ins Fühlen kommen und die Natur dient ihm dabei als ein neutraler Raum von Ruhe, Einsamkeit und Stille
Was ist Initiation?
Das Ritual der Initiation hilft sowohl dem jungen Mann als auch der gesamten Familie, den Übergang von einer Phase in die nächste als einen bewussten Schritt zu vollziehen und entsprechend zu würdigen.
Nur wenn dieser Schritt bewusst wahrgenommen und regelrecht zelebriert wird, kann im alltäglichen Miteinander diesen Veränderungen auch entsprechend Raum gegeben werden.
Durch eine bewusste Initiation ist es möglich, die eingefahrenen Gewohnheiten zu verlassen und neue Wege zu gehen. Dies kann sich durch neue Absprachen mit dem jungen Mann, durch neue Kompetenzen oder durch neue Verantwortlichkeiten im familiären Alltag ausdrücken. Die ganze Familie hat Teil an diesem Prozess und kann sich neu strukturieren, um den veränderten Umständen gerecht zu werden. Dadurch hilft sie, die Kräfte eines jungen Mannes, die sich ja zeigen wollen, in konstruktive Bahnen zu lenken, anstatt dass sie sich nun destruktiv auswirken.
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