Sommer- und Winterlederkleidung selber machen.

Das Fehlen von Fell unterscheidet den Menschen von allen anderen landlebenden Säugetieren. Seine Blöße zu bedecken ent-sprang der Notwendigkeit, sich vor Kälte und rauer Landschaft zu schützen. Mit der Hilfe von Kleidung gelang es unseren Vorfahren dem Wild zu folgen und in unwirtlichen, kalten Klimazonen zu leben. Vom Wild bekamen wir Nahrung  und unsere zweite Haut: die Kleidung. Dadurch entstand eine tiefe Verbindung zwischen Mensch und Tier. Naturverbindung konnte gelebt werden.

Wenn Du weißt, dass ein anderes Tier sein Leben für dich gegeben hat, verschwendest du nichts davon. Wir aßen alles Fleisch und die Organe. Wir nutzten die Gehirne und die Haut zum Gerben, die Hufe und das Bindegewebe für Kleber und die Knochen als Werkzeuge, Schmuck oder sogar als Musikinstrumente. Jeder Teil des Tieres war kostbar.

Lynx Vilden Living Wild

Wie es dazu kam

Im Jahre 1999 kam der erste von uns mit dem Gerben durch Fortbildungen in Deutschland und Amerika in Kontakt.

2005 lebte eine von uns, für ein Jahr in der Wildnis von Wisconsin (Amerika). Gerben und Kleidung aus dem selbstgemachten Leder herzustellen, war in dem Jahr ein wichtiges Thema.

Im Sommer 2003 fand unser erster viertägiger Gerbkurs statt. Seit 2008 ist ein weiterer Gerbkurs Teil der dreijährigen Wildnispädagogik-Ausbildung.

Von 2003 bis 2012 haben wir das „Wildnis-festival“ und das „Hüter der Erde Festival“ in Deutschland und Österreich mit unseren Gerbkursen bereichert.

Seit 2013 begleiten wir die erste Berufsschule mit einem Gerbkurs in ihrem Abschlussjahr.

Im Sommer 2013 nahmen zwei von uns an einer weiteren Fortbildung über das Herstellen von Lederkleidung, in den USA teil.

Seit 2013 bildete sich Klara Schulke über die kommenden Jahre bei Lynx Vilden, Katie Russel und WonyaTeabold (USA) in der Herstellung und Anfertigung von Wildlederkleidung intensiv weiter.

Seitdem wir das erste Mal mit dem Thema in Berührung gekommen sind, haben wir viele Jahre damit verbracht, unsere eigenen Erfahrungen zu machen und mit dem natürlichen Gerben zu experimentieren. Von der Maus über das Damwild bis hin zum Bison haben wir so unser praktisches Wissen gesammelt und unsere eigene Kleidung gemacht.

Im Herbst 2013 entschieden wir uns, einen einjährigen Lehrgang zu den Themen „Gerben und Kleidung herstellen“ zu kreieren. Wir freuen uns damit dieses alte Wissen in gebündelter Form weitergeben zu können.

Die Inhalte

Gerben. In diesem Lehrgang wird Schritt für Schritt alles vermittelt, was beim Gerben mit natürlichen Materialien notwendig ist. Dazu gehört das Abziehen der Haut, wie die Arbeit am Gerbbock und das Weichmachen der Rohhaut. Wir beschäftigen uns mit den verschiedenen Stadien der Rohhaut und wie man sie weiterverarbeiten kann. Am Ende steht das Räuchern der selbstgemachten Leder, Felle und Pelze. Durch diese besonders natürliche Form der Gerbung entsteht ein weiches Wildleder, das im Amerikanischen als „buckskin“ bezeichnet wird. Aus „buckskin“ fertigten die Ureinwohner Nordamerikas und die ersten Trapper ihre Kleidung an. Während der Kolonialisierung von Amerika war „buckskin“ als Tauschwährung so populär, dass man noch heute für die Dollarnote umgangssprachlich das Wort: „buck“ benutzt (Matt Richard, „Deerskin into Buckskin“).

Kleidung. Aus den selbstgegerbten Ledern, Fellen und Pelzen wird Kleidung für verschiedene Jahreszeiten angefertigt. Die verschiedenen Arten der Herstellung und des Zusammenfügens von Buckskin - Kleidung findet hierbei besondere Berücksichtigung. Genauso, wie man die Kleidung je nach Lebensraum und -situation am besten nutzen kann.

Leder unterscheidet sich durch seine Struktur und die individuelle Beschaffenheit einer jeden Haut von allen anderen Materialien, die heutzutage für Kleidung verwendet werden. Die Kleidungsstücke werden alle unterschiedlich ausfallen. Jedes Einzelne wird ein Unikat. Die individuelle Körperform, persönliche Vorlieben und die Falleigenschaften des Leders beeinflussen die Entstehung und das schlussendliche Erscheinungsbild der Kleidungstücke. Aber eines steht von Anfang an fest: Alle Kleidungsstücke werden wunderschön!

Geschichten und Lieder sowie kulturelle Elemente runden diesen Lehrgang ab.

Dieser Lehrgang ist stark Praxis orientiert und richtet sich an all die Leute, die in ein ganzheitliches und nachhaltiges Wissen der Gerbkunst sowie die Kunst aus den gewonnen Materialien die eigene Kleidung herzustellen eintauchen möchten. Der Lehrgang hilft ihnen diese Handwerks-Kunst in ihren Alltag zu integrieren und weiterzumachen. Ebenfalls ist dieser Lehrgang für alle, die auf eine ganzheitliche Weise in eine tiefere Verbindung mit der Natur eintauchen möchten.

Ich kenne fast nichts, das mit dem Gefühl der Zufriedenheit vergleichbar ist, wie das, was sich während des Prozesses an diesem Produkt einstellt.

Tom Brown Jr., Field Guide Living with the Earth

Schwerpunkte sind u.a.:

  • Natürliches Gerben (alle Werkzeuge und Materialien aus der Natur)
  • Feucht- und Trocken-Schabe-Methode
  • Werkzeuge und Materialien zum Gerben und eigenes Werkzeug herstellen
  • Herstellen von Sommerkleidung aus selbstgegerbten feinem, weichen Hirschleder (mind. 1 Kleidungsstück)
  • Herstellung von Winterkleidung aus selbstgegerbten weichem Winterpelz (mind. 1 Paar Handschuhe und/oder 1 Pelz-Mütze)
  • Verschiedene Stich-Muster für unterschiedliche Funktionsweisen der Kleidung
  • Vorstellung diverser Kleidungsmuster: traditionelle Kleidung und moderne Kleidung
  • Vorstellung verschiedener Gebrauchsmuster: Taschen, Schnüre, Sandalen, Mokassins, Mukluks-Stiefel, Schneeschuhe
  • Theorie Räuchern (die eigentliche Gerbung)
  • Traditionelle und moderne Räucheröfen (verschiedene Öfen und Techniken)
  • Färbung des Leders durch Naturmaterialien (Farbnuancen von hell bis dunkel)
  • Nähen von Löchern, Waschen und Pflege von Leder, Fellen und Pelzen
  • Abziehen und Konservierung der Haut
  • Herstellung und Verarbeitung von Rohhaut
  • Besonderheiten bei der Gerbung von Leder, Fellen und Pelzen
  • Protokollierung und Auswertung der gemachten Erfahrungen
  • Geschichten und Lieder
  • Kulturelle Elemente
  • Naturverbindung
  • Naturmentoring

Die Struktur

Dieser Lehrgang wurde so konzipiert, dass er auch Menschen mit einem vollen Terminkalender die Teilnahme ermöglicht.

Der 12-monatige Lehrgang besteht aus insgesamt 25 Tagen, aufgeteilt in 6 aufeinander aufbauenden Wochenendblöcken, von denen 2 Blöcke drei Tage und 4 Blöcke vier Tage lang sind.

Das Lernen und Erfahren findet sowohl in den Ausbildungsblöcken als auch durch die Hausaufgaben zwischen den einzelnen Blöcken statt.

Die Module finden an unterschiedlichen Orten in Deutschland statt, welche von ihrem Platz her für den Inhalt des Seminars am besten geeignet sind.

Klara-Marie Schulke leitet durch das Programm. Andere aus dem Team können schwerpunktweise hinzu kommen.

Die Ziele

Der Lehrgang vermittelt ein umfassendes Wissen über das Gerben von Leder, Fellen und Pelzen mit natürlichen Materialien sowie das Können daraus Kleidung anzufertigen. Am Ende des Lehrgangs werden alle Teilnehmer mit mindestens einem Kleidungsstück für den Sommer (aus Leder) und einem für den Winter (aus Pelz) nach Hause gehen. Dabei werden sowohl Grundlagen als auch feine Nuancen, Kniffe und Know-how vermittelt.

Nach der Begleitung über ein ganzes Jahr sind die Teilnehmer durch ihre umfassende Praxis in der Lage mit einfachen Mitteln zu gerben und ihre eigene Kleidung zu fertigen.

Der Beste Weg zu lernen, wie man Buckskin - Kleidung macht, ist es einfach zu tun!

Tom Brown Jr.

Die Daten

Lehrgang 2018

Lehrgang 2019 Süd

Lehrgang 2019 Nord

Zertifizierung

Durch das Absolvieren aller 6 Blöcke sowie der dazwischenliegenden Hausaufgaben ist eine umfangreiche praktische Kenntnis gewährleistet. Nach Abschließen aller Unterrichtseinheiten und Hausaufgaben bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat der Wildnisschule Wildniswissen.

Die Voraussetzungen

Dieser Lehrgang ist für diejenigen, die das Interesse verspüren endlich ihre eigene Kleidung aus Ledern, Fellen und Pelzen zu machen. Es ist etwas Besonderes dieses alte Handwerk in einer Gruppe von Gleichgesinnten zu lernen. Es sind keine besonderen Vorkenntnisse nötig.

Der Lehrgang ist so aufgebaut, dass jeder – unabhängig von seiner bisherigen Erfahrung –gut einsteigen kann. Trotzdem sind bestehende Erfahrungen auf diesem Gebiet hilfreich und herzlich willkommen. Jäger, die ihre anfallenden Decken, Schwarten und Bälge eigenhändig weiterverarbeiten wollen sind hier genau richtig.

Sollten Sie im Moment schon an einer Ausbildung oder Weiterbildung teilnehmen, würdigen Sie diese Tatsache, indem Sie diese zuerst abschließen. Erst dann steht Ihnen genügend Zeit zur Verfügung, sich diesem Lehrgang voll widmen zu können.

 

Die Kunst des Gerbens wurde in nordamerikanischen Jäger- und Sammlerkulturen häufig von Frauen durchgeführt. Wenn ich gerbe, fühle ich wie wissend und stark diese Frauen früher gewesen sind – und dass auch ich das bin. Jede Tierhaut, die ich gegerbt habe, erzählt seine eigene, besondere Geschichte. Diese Geschichte ist zu meinem Wissen geworden. In der Art und Hingabe, wie ich eine Haut gerbe, fließt meine Achtung und meine Liebe für das Tier, das es getragen hat! Seine Haut nach dem Tod weiter zu verarbeiten und als Kleidung zu nutzen, ist für mich eine Wertschätzung an die Natur und an meine Ahnen. Es gibt kaum was Schöneres als aus selbst gegerbtem Wildleder funktionstüchtige und langlebige Kleidung herzustellen!

Klara-Marie Schulke